Und das stand in der Zeitung |
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Wie Scientology unser Haus kaufte...
Ein Betroffenenbericht aus dem Mieterecho, der Mut macht.
Mieterberater klingeln an der Tür und bieten ihre Hilfe an
Berliner Zeitung, 16.3.1995
Mieter gegen Scientology erfolgreich
TAZ, 18.7.1995
Scientologen klagen über schlechte Geschäfte
TAZ 7.6.1995
Durchbruch vor Gericht
Aus TAZ 13. Dezember 1994
Es begann eines schönen Frühlingsmorgens mit unangekündigten Bauarbeiten. Kurz darauf bekamen wir heraus, daß unser altes, sanierungsbedürftiges Mietshaus von einer Tarnfirma aus dem Umkreis der sogenannten "Scientology Church" gekauft worden war, um es in Eigentumswohnungen umzuwandeln. Niemand hatte uns vom Eingetümerwechsel informiert und das war vermutlich Absicht, denn ganz in der Nähe gab es schon mehrere Häuser, die sich mit Transparenten gegen die fragwürdigen Methoden der Scientology-Umwandler wehrten.
Seit ein paar Jahren ist es allgemein für Spekulanten leichter geworden, Mietshäuser in Eigentumswohnungen aufzuteilen. Der stückweise Verkauf eines umgewandelten Hauses kann schnell ein paar Millionen einbringen, wenn man dabei möglichst skrupellos vorgeht und wenn die Mieter sich genügend einschüchtern lassen. (Siehe dazu auch ältere Artikel im Mieterecho 251/95 ... .../96.
Neben der Angst um unsere Wohnungen hatten wir es nun auch mit einer internationalen Organisation zu tun, die sich als Religion ausgibt und die von Kennern vor allem als geldgierig, totalitär und kriminell beschrieben wird. "Scientology" ist schon seit ihrer Gründung in den 50ern dafür bekannt, vor allem eines anzubeten: Geld, Geld, Geld. Und so ist es kein Wunder, daß in Deutschland vielleicht schon die Hälfte des Geschäftes mit Altbau-Eigentumswohnungen von der Sekte kontrolliert wird - in Berlin und Potsdam z.B. sind es mindestens 70 Häuser, möglicherweise aber auch viel mehr.
Bekannt sind die Anhänger des Science-Fiction-Schreibers L. Ron Hubbard auch dafür, daß sie versuchen, mit verschiedenen Tarnorganisationen Einfluß und Ansehen zu gewinnen. Hinter so mancher Initiative für Bosnien, gegen die Psychiatrie, gegen Drogen, aber z.B. auch hinter einigen Computerfirmen, Unternehmensberatungen und Heilpraktiker-Instituten stecken Scientology-Anhänger und ihre wirren Ideen.
Und so funktioniert der Psychokonzern: Auf der Straße werben Scientologen mit einem kostenlosen Psychotest. "Wir nutzen nur 10% unseres geistigen Potentials" heißt es darin. Die Auswertung erfolgt nach Angaben von Aussteigern ohne Rücksicht auf den Datenschutz (überhaupt soll der sekteneigene Geheimdienst "Büro für spezielle Angelegenheiten" alle erreichbaren Informationen sammeln und z.B. zur Erpressung von Gegnern mißbrauchen). Das Testergebnis zeigt dann, daß man zumindest gestört oder selbstmordgefährdet ist und sofort einen Scientology-Kurs braucht. Wer darauf einlgeht, kommt unter Umständen jahrelang nicht mehr von "Scientology" los, denn ein Kurs reicht natürlich nicht, um "clear" (klar) zu werden, wie es versprochen wird. Durch anfängliche Erfolge und das Versprechen, "die totale geistige Freiheit" zu erlangen, durch ständigen Erfolgsdruck und eine eigene pseudo-wissenschaftliche Kunstsprache wird den Anhängern systematisch ihre Kritikfähigkeit und der Bezug zur Wirklichkeit genommen.
Das "Auditing", eine primitive Therapie mit Hilfe eines Lügendetektors, kostet pro Stunde mindestens 400 Mark. Daneben gibt es ein wahnwitziges System von Kursen und Lehrmaterialien, die schnell 100.000 bis 500.000 Mark verschlingen können. Doch noch nie ist jemand ans Ende aller Kurse gelangt, denn laufend werden neue, geheimnisvoll klingende Einweihungsstufen erfunden. Den Anfängern wird erzählt, daß fortgeschrittene Scientologen, die sogenannten "Operierenden Thetanen", Gedanken lesen und durch Wände gehen können. Bei mir hatten sie zum Glück noch keinen Erfolg damit - oder habe ich es bloß nicht gemerkt?
Der Gründer von Scientology, Hubbard, lebte in dem Wahn, von Psychiatern und Kommunisten verfolgt zu werden. (Leider) war das nicht der Fall, und so konnte er seine krude 50er-Jahre-Ideologie ungehindert entwickeln. Nach einem Zwischenspiel bei den Satanisten des Ordo Templi Orientis um Aleister Crowley brachte er seine Einsichten unter dem Namen "Dianetik" heraus. Hubbard hat dabei vor allem eines verstanden: Er setzte eine gigantische Geld- und Unterdrückungsmaschine in Gang, die er erst später geschickt als Religion tarnte, um Steuern zu sparen und besser vor Kritikern geschützt zu sein. Durch einen eigenen Geheimdienst werden Kritiker und Aussteiger mit Telefonterror, Rufmordkampagnen und Prozessen überschüttet. Dieser Geheimdienst hat es Anfang der 90er Jahre sogar geschafft, Mitarbeiter der US-amerikanischen Steuerbehörde so unter Druck zu setzen, daß Scientology schließlich von der Steuerzahlung befreit wurde.
In der weltweit verzweigten Organisation, die vermutlich mehrere Millionen Anhänger hat, wird jedes Mitglied jede Minute lang kontrolliert und gezwungen, sich von kritischen Freunden oder Familienangehörigen zu trennen. In spezielle Straflager wird verfrachtet, wer sich selbst kritisch äußert oder die "Statistik" nicht erfüllt. Die Statistik zu erfüllen bedeutet bei den Entmietungsprofis von Scientology konkret, daß sie eine Mindestzahl von Wohnungen pro Woche verkaufen müssen, auch um damit ein neues Scientology-Zentrum zu finanzieren, wie einer der bekanntesten Umwandler und Top-Scientologe Götz Brase vor einiger Zeit an seine Mitarbeiter schrieb.
Kenner schätzen, daß das Umwandlungsgeschäft eine der Haupteinnahmequellen der deutschen Scientologen ist, die dazu ein verwirrendes Netz von Immobilienfirmen aufgebaut haben. Manche dieser Firmen sollen bis zu 15 Prozent ihres Umsatzes als Spenden an die Organisation abführen, was bedeutet, daß Wohnungskäufer damit rechnen müssen, mit ihrem Geld indirekt Scientology-Aktivitäten zu unterstützen.
Schlimm ergeht es auch Leuten, deren Firma von Scientologen übernommen oder aufgekauft wird, z.B. über die Treuhand-Anstalt. Die Nichtsahnenden müssen Management- und Kommunikationskurse belegen - wer keine Lust auf die Sektenideologie hat, wird gekündigt oder rausgeekelt. Auch in der ehemaligen Sowjetunion hat "Scientology" auf diese Weise wichtige Positionen z.B. in der Rüstungsindustrie und in den Medien erobert. In der Moskauer Bibliothek gibt es einen L.-Ron-Hubbard-Saal aus Dank für Buchspenden, natürlich ausschließlich die Übermenschen-Science-Fiction und der dünne Psychoquark des Sektengründers.
Bei uns im Haus ging es dann so weiter: Die scientologischen "Mieterberater" versuchten zuerst, uns unsere eigenen Wohnungen aufzuschwatzen. Doch für die Leute in Neukölln und Kreuzberg wäre das ein schlechtes Geschäft. Warum soll ich 180.000,- Mark für eine Bruchbude bezahlen, die nur ein paar hundert im Monat kostet und in der ich ohnehin einen sehr guten Kündigungsschutz habe? Wir machten also Hausversammlungen und informierten uns über unsere Rechte. Viele ließen niemanden zur Besichtigung in ihre Wohnungen und hängten freche Transparente aus dem Fenster. Herumirrende Kaufinteressenten wurden über Scientology im allgemeinen und die schlechte Bausubstanz im besonderen aufgeklärt. Die Umwandler wehrten sich mit den üblichen Methoden: mit anonymen Drohanrufen, Strafanzeigen wegen angeblicher Sachbeschädigung, Kündigungsdrohungen und dem Versuch, die Mieter gegeneinander aufzuhetzen. Das hat uns die Hausbewohner jedoch nur bestärkt, wie wichtig es ist, sich jetzt und mit allen Mitteln gegen den Sektenkonzern zu wehren, der sich mit den Spekulationsgewinnen immer weiter ausbreitet.
Nach einem halben Jahr waren nicht mal die Hälfte der Wohnungen in unserem Haus verkauft, die Preise fielen, die Verluste der Spekulanten müssen langsam schmerzhaft gewesen sein. Aus einem benachbarten Haus hatten sie sich sogar vorübergehend ganz zurückgezogen. Die Mieter dort hatten jedesmal die Polizei geholt, wenn wieder ein Verkäufer herumschlich, ohne sich ausweisen zu können. Jetzt, zwei Jahre nach der Umwandlung, ist zwar ein Großteil des Hauses verkauft, doch unser Ziel ist es auch zu verhindern, daß Scientology woanders weiter ungestört Mieter einschüchtert und vertreibt.
Leider haben wir gemerkt, daß die Umwandlungsproblematik selbst in der Öffentlichkeit totgeschwiegen und statt dessen Scientology als Sündenbock benutzt wird. Weil die Kommunalpolitiker Geld brauchen und deshalb hunderttausende von Ost-Wohnungen privatisieren wollen, singen sie das gleiche Lied wie die Immobilienhaie: Bildung von Wohneigentum - Wohlstand für alle! Die Mieter sollen sich dafür über Jahrzehnte verschulden und alle Risiken selbst tragen. Können sie ihren Kredit nicht abzahlen, reibt sich die Bank die Hände und läßt zwangsversteigern. Umwandlung schafft keine neuen Wohnungen, sondern Unsicherheit für die Mieter, Verschuldung für die Käufer und Profit für Banken und Spekulanten.
Für unser Haus hatte sie jedoch noch einen überraschenden Effekt: Wir Mieter haben uns viel besser kennengelernt, uns gemeinsam über unsere Rechte informiert und gegen die Umwandlungstricks gewehrt. Die frühere Anonymität im Haus und in der Nachbarschaft hat abgenommen, wir Mieter achten mehr darauf, was um uns herum geschieht. Einige haben zwar Geld genommen und sich zum Auszug drängen lassen, die übrigen feiern im Sommer gemeinsame Hoffeste und freuen sich, daß sie sich nicht einschüchtern lassen haben.
Und wir werden weiter Krach machen. Eine Gruppe Betroffener tat sich zusammen und geht seit drei Jahren gegen Scientology und andere Spekulanten mit Informationen und Aktionen an die Öffentlichkeit. Außerdem haben wir ein Info-Telefon für Betroffene und Kaufinteressenten eingerichtet, die Fragen zur Umwandlung und zu Scientology haben. Dort sind wir mittwochs von 19.00 bis 21.00 Uhr unter 611 22 63 zu erreichen.
[Achtung, dieses Telefon existiert nicht mehr]Einziges Problem für die Firmen: Sie müssen sich mit dem Verkauf der Wohnungen beeilen. Das bekommen zunächst die Bewohner des Hauses zu spüren. Sogenannte "Mieterberater" klingeln an der Tür und bieten ihre "Hilfe" an. "Freundlich, aber ungeheuer aufdringlich drängen sie die Bewohner zu einer schnellen Entscheidung zwischen Auszug oder Kauf", berichtet Rechtsberater Bernd Stahl vom Berliner Mieterverein. "Dabei tun sie so, als wollten sie sich um die Mieter kümmern. In Wirklichkeit ziehen sie die Leute häufig über den Tisch." So werden Falschinformationen über drohende Mieterhöhungen oder Kündigungen beim Verkauf der Wohnung verbreitet.
"Meistens operieren die Firmen in Häusern, wo ,kleine' Leute
wohnen, die sich mit dem Miet- und Eigentumsrecht nicht gut
auskennen", sagt die "echte" Mieterberaterin Ursula Dyckhoff von
der Arbeitsgemeinschaft Stadtforschung, Sozialplanung,
Mieterberatung (ASM) in Neukölln. Offensichtlich seien die
"Berater" im Umgang mit Menschen geschult. "Sie können sich
sehr schnell auf die Persönlichkeit ihres Gegenübers
einstellen", sagt Ursula Dyckhoff. Mieter aus der
Allerstraße 4 hatten den Eindruck, "auf eine subtile Art
ausgehorcht zu werden". Andere ließen sich durch die
"ständige Unruhe im Haus" einschüchtern.
Geprellte
Wehrhafte Bewohner wie in der Allerstraße 4 sind die
Ausnahme. Viele lassen sich auf die dubiosen Angebote der
Immobilienhändler ein und kommen zu spät in Ursula
Dyckhoffs Beratung. Wie Sybille S., die ihre Wohnung nicht kaufen
wollte. Also boten ihr die "Mieterberater" eine "Abfindung" von
20000 Mark an, wenn sie innerhalb von zwei Monaten auszöge.
"Und damit ich auch wirklich an mein Geld komme, haben die mich zu
einer Firma geschickt, die mir bei der Wohnungssuche behilflich
sein sollte", berichtet die Geprellte. Dort zog man ihr 1 500 Mark
aus der Tasche - für eine nutzlose Broschüre und eine
Beratung. Hinzu kamen noch Kosten für Wohnungssuchanzeigen.
Ergebnis: Nichts. Sybille S. fand keine Wohnung innerhalb der
vorgesehenen Zeit und bekam somit auch die Abfindung nicht. Ihre
Wohnung ist inzwischen verkauft. "An einen Eigentümer aus dem
Osten, der mich ständig nervt, daß ich endlich
ausziehe", berichtet sie.
Zu spät
Hätte sie sich zum Kauf ihrer Wohnung entschlossen, wäre
es ihr unter Umständen noch schlechter ergangen. "Der
Käufer riskiert etwas zu kaufen, das ihm nie gehören
wird", warnt Bernd Stahl. Gelingt es nämIich der
Immobilienfirma nicht, alle Wohnungen innerhalb der mit dem
ursprünglichen Eigentümer vereinbarten Jahresfrist zu
verkaufen, zahlt sie diesen möglicherweise nicht aus. Dann
kann der Kaufvertrag platzen, und der vermeintliche
Wohnungseigentümer hat sein Geld an einen Verkäufer
bezahlt, dem die Ware gar nicht gehörte.
Anderen wird die oberste Wohnung im Paket mit dem Dachgeschoß aufgeschwatzt, mit dem Hinweis, dieses könne ja ausgebaut werden. Zu spät merken die Käufer, daß dafür keine Genehmigung zu erhalten ist. In anderen Fällen bleibt es nicht beim Kaufpreis, weil noch umwandlungsbedingte Umbauten fehlen, etwa der Einbau von Innentoiletten.
In Hamburg haben scientologynahe Firmen mittlerweile rund 50 Prozent des Umwandlungsmarktes in der Hand, wie der Mieterverein schätzt. Gegen ihre unseriösen Geschäftsmethoden schlossen sich im letzten November Mietervereine, Makler- und Immobilienbesitzervereine zu einer "Konzertierten Aktion" zusammen. Bundesweit hat der Ring deutscher Makler beschlossen, keine Scientology-Mitglieder in seinen Reihen zu dulden.
Auch in Berlin regt sich Widerstand. Neuköllner Politiker, Mietervertreter, Kirchenangehörige und Immobilienverbände gründeten im Februar ein Bündnis gegen die scientologynahen Firmen. Zwar sind diese in Berlin noch weit von ihrem Hamburger Marktanteil entfernt. Doch die Mieterberater "outen" ein Haus nach dem anderen, das von scientologynahen Firmen umgewandelt wird. Bis jetzt sind 15 Häuser in Neukölln, neun in Kreuzberg, jeweils zwei in Tiergarten und Schöneberg und ein Haus in Wedding bekannt. Weitere Fälle werden von den Mieterberatern noch überprüft. Als scientologynahe Umwandlungsfirmen benannten sie im Februar in einer Presseerklärung die TransWert, TCG, HIC, MegaReal, MetaReal und Prewa. Bernd Stahl schätzt die Gewinne der Firmen auf 40 bis 50 Prozent. Wieviel von ihrem Geld die scientologischen Immobilienhändler an ihre "Kirche" abführen, ist nicht bekannt.
Ursula Dyckhoff hat bereits anonyme Morddrohungen erhalten, ebenso
eine Mieterin der Allerstraße 4. Zwei Stunden, nachdem sie
im Februar auf einer Pressekonferenz über ihre Erfahrungen
berichtet hatte, hörte sie eine Männerstimme auf ihrem
Anrufbeantworter: "Ich werde dich kriegen, ich werde dich
töten."
Nicht eingeschüchtert
Doch sie hat sich nicht einschüchtern lassen. Zusammen mit
den anderen Mietern im Haus macht sie der Maklerin Kirsten Bringel
das Geschäft so schwer, daß diese sich in ihrem
Schreiben sogar dazu hinreißen ließ, sich selbst zu
outen. "Wir können uns des Gefühls nicht erwehren,
daß gezielt das Thema Scientology benutzt wird, um
möglichst effektiv zu diffamieren", schreibt sie. Und fragt
allen Ernstes, "... ob es ebenso möglich wäre, Firmen
anzugreifen, wenn sie Mitarbeiter von anderen
Religionsgemeinschaften, z. B. Moslems, Mohammedaner, Buddhisten
oder Juden beschäftigen würden".
"Mieter gegen Scientology" erfolgreich
Der Hintergrund für das couragierte Vorgehen des Baustadtrats ist eine Auflage in der Abgeschlossenheitsbescheinigung, die von Krohn bislang nicht erfüllt wurde. In dieser für die Umwandlung notwendigen Bescheinigung wurde dem Eigentümer auferlegt, in der Wohnung einer älteren Mieterin eine Innentoilette einzubauen. Ein entsprechender Bauantrag wurde freilich bis heute nicht eingereicht, die Mieterin lehnt eine Innentoilette außerdem ab. "Die Voraussetzungen für die Erteilung der Bescheinigung", schließt Baustadtrat Manegold, "sind somit nicht mehr gegeben."
Eigentümer Manfred Krohn gab sich gestern noch optimistisch: "Für die grundbuchliche Abwicklung der Teilung spielt das keine Rolle", heißt es in einer Stellungnahme. Auch für den Fall, daß eine einzige Abgeschlossenheitsbescheinigung für die Wohnung mit Außentoilette widerrufen werde, würde dies, so Krohn, "keine Nachteile darstellen".
Der Berliner Mieterverein sieht das freilich anders. "Eine Abgeschlossenheitsbescheinigung gilt für das ganze Haus", meint Rechtsanwalt Frank Maciejewski. Seien die Voraussetzungen für eine solche Bescheinigung nicht erfüllt, könne nicht umgewandelt werden. Den Erwerbern der vorgesehenen Eigentumswohnungen gehöre dann jeweils nur ein entsprechender Anteil der Gesamthauses, jedoch keine konkrete Wohnung.
Nach Auskunft der Hausverwaltung Henkel sind bis jetzt 10 der insgesamt 23 Wohnungen verkauft. Henkel, der die Verwaltung übernommen hatte, nachdem der Umwandlungsboden nach zahlreichen Protesten für die Firma Phoenix und die Scientologin Kirsten Bringel zu heiß geworden war, will nun ebenfalls das Handtuch werfen. "Wir legen die Verwaltung zum 1. August nieder", erklärte Henkel gegenüber der taz. Kurz zuvor, am 29. Juli, wollen die neuen Eigentümer auf einer Versammlung über ihr weiteres Vorgehen beraten. Henkel meinte lakonisch: "Da werden sich einige freuen, wenn das jetzt alles zurückgewickelt wird".
Die Mieter unterdessen freuen sich über den Erfolg. Nicht nur Eigentümer Krohn, sondern auch die neuen Wohnungseigentümer haben in der Allerstraße keine Gelegenheit versäumt, sich unbeliebt zu machen.
Ein Neu-Eigentümer, der gleich mehrere Wohnungen gekauft hat, wollte nach Angaben der MieterInnen sofort neue Mietverträge ausstellen oder habe gegenüber einer Mieterin behauptet, sie sei mit ihrer Miete im Rückstand. Nun wollen die MieterInnen ihre Miete vorerst auf ein Sperrkonto des Amtsgerichts überweisen. Ein Vorgehen, das mittlerweile selbst Noch-Hausverwalter Henkel nachvollziehen kann.
Angriff ist die beste Verteidigung. Das dachten sich wohl die drei Scientologen, die gestern in die Allerstraße 4 in Neukölln gekommen waren. Dort versucht die scientologynahe Immobilienfirma Phoenix seit Monaten, Miet- in Eigentumswohnungen umzuwandeln.
Zu einer SFB-Sendung über die Sekte, die am Haus Allerstraße gemacht wurde, kam sogar der Vizepräsident und Pressesprecher von "Scientology Church e.V." eigens aus Hamburg angereist, wo die Sekte seit Jahren im Immobiliengeschäft tätig ist und unlängst die Führung ausgewechselt wurde. Zwischenzeitlich seien der stellvertretende Chef des Geheimdienstes "Office of Special Affairs" (OSA) und der Leiter des Wirtschaftsdachverbandes "World Institute of Scientology Enterprises" (WISE) in der Hansestadt tätig geworden, bestätigte gestern der taz eine Scientologen-Sprecherin in Hamburg.
"Die Scientology-Kirche hat nichts mit Immobilien zu tun", beteuerte Vizepräsident Franz Riedl gestern immer wieder. Eine Behauptung, die bei den zahlreich anwesenden Mietern für Gelächter und Buhrufe sorgte. Auch Ulrich Mergelmeyer und Jürgen Joting, Mitarbeiter von Phoenix und bekennende Scientologen, betonten, daß das eine mit dem anderen nichts zu tun habe: "Die Leute werfen Busineß und Privates durcheinander", so Joting.
Mergelmeyer beteuerte, daß Phoenix eine Immobilienfirma wie jede andere auch sei. Er gab allerdings zu, Mitglied von WISE gewesen zu sein. Der Vizepräsident der Sekte sagte, daß von den über 20.000 Immobilienhändlern in Deutschland "nur vierzig" Scientologen seien.
Mergelmeyer beschwerte sich, daß durch den Mieterprotest ein Klima geschaffen werde, "aus dem Mietervereine Profit schlagen". Er sei seit der Gründung von Phoenix vor vier Monaten dabei und wisse nichts von Mieterdossiers samt Persönlichkeitsprofil. Unter Druck gesetzte Mieter hatten von derartigen Dossiers mit detaillierten Informationen über Alter und Krankheiten berichtet. In Neukölln sind nach Angaben der "Arbeitsgemeinschaft Mieterberatung" derzeit siebzehn Häuser mit über 500 Wohnungen und Gewerbeeinheiten betroffen, in denen neben Phoenix die scientologynahe Firmen HIC, TCG, GGB, Erber, Britz und Lux versuchten, den Mietern ihre Wohnungen zum Kauf anzubieten oder sie zum Auszug zu zwingen. Von den 23 Wohnungen in der Allerstraße 4 ist bisher etwa ein Viertel verkauft.
"Bis Mai sollte das über die Bühne gebracht werden", beklagte sich Mergelmeyer. Seitdem Mieterinitiativen gegen die Umwandlungen zu Felde ziehen und Kaufinteressenten bei Besichtigungen vor den Sektenverbindungen der Makler warnen, zieht sich der Verkauf schleppend hin.
Der Neuköllner Baustadtrat Bodo Manegold (CDU) verglich die Vorgehensweise von Phoenix mit "Stasi-Methoden". Eine Vertreterin des Vereins "Mieter gegen Scientology" sprach von "faschistoiden, totalitären Methoden". Ein Mieter-Jurist warnte vor der "psychologisch verfeinerten" Art der Umwandlung.